Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Hämophilie B [D67.0]

OMIM-Nummer: 306900, 300746 (F9)

Dipl.-Biol. Birgit Busse

Wissenschaftlicher Hintergrund

Hämophilie B ist eine X-chromosomal-rezessiv vererbte Gerinnungsstörung, die durch den Mangel des Gerinnungsfaktors IX bedingt ist. Sie ist die seltenere Form der klassischen Hämophilien. Der Mangel an Faktor IX führt zu einer Störung im intrinsischen Weg der Gerinnungskaskade und zu den Symptomen einer hämorrhagischen Diathese mit verlängerter aPTT-Zeit.

Phänotypisch ist die Hämophilie B nicht von einer Hämophilie A (Faktor VIII-Mangel) unterscheidbar. Die Abgrenzung beider Krankheitsbilder erfolgt durch die biochemische Messung der jeweiligen Enzymaktivität.

Im F9-Gen sind über 1.000 Mutationen bekannt, die zu einer Hämophilie B führen. In Abhängigkeit von der Mutation kommt es zu einer unterschiedlich starken Beeinträchtigung der Enzymaktivität, so dass die Erkrankung in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt wird.

  • Schwere Hämophilie B: Faktor IX-Aktivität < 1%
  • Mittelschwere Hämophilie B: Faktor IX-Aktivität 1-5%
  • Milde Hämophilie B: Faktor IX-Aktivität 5-15%
  • Subhämophilie B: Faktor IX-Aktivität 15-50%

Aufgrund der X-chromosomalen Vererbung sind vorwiegend Männer betroffen. Die Prävalenz wird auf ca. 1:30.000 geschätzt. In seltenen Fällen können auch heterozygote Anlageträgerinnen bei Vorliegen einer ungleichen X-Inaktivierung Symptome ausprägen. Die Therapie erfolgt durch intravenöse Substitution des Faktors IX.

Literatur

Jenkins et al, Eur J Hum Genet 20(5) (2012) / Lippi et al, Ann Med, 44: 405 (2012) / Konkle et al,  Gene Reviews, NBK1495 (last Update 2011) / Oldenburg et al, Hämostaseologie 28: 335 (2008) / Mitchell et al, Haemophilia 11, 398–404 (2005) / http://www.dhg.de/