Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 12.04.2016

Hämophilie A [D66.0]

OMIM-Nummer: 306700, 300841 (F8)

Dipl.-Biol. Birgit Busse

Wissenschaftlicher Hintergrund

Hämophilie A ist eine X-chromosomal-rezessiv vererbte Gerinnungsstörung, die durch den Mangel des Gerinnungsfaktors VIII bedingt ist. Dieser führt zu einer Störung im intrinsischen Weg der Gerinnungskaskade und zu den Symptomen einer hämorrhagischen Diathese mit verlängerter aPTT-Zeit.

Phänotypisch ist die Hämophilie A nicht von der Hämophilie B (Faktor IX-Mangel) unterscheidbar. Die Abgrenzung beider Krankheitsbilder erfolgt durch die biochemische Messung der jeweiligen Enzymaktivität.

Im F8-Gen sind über 2.500 Mutationen bekannt, die zu einer Hämophilie A führen. In Abhängigkeit von der Mutation kommt es zu einer unterschiedlich starken Beeinträchtigung der Enzymaktivität, so dass die Erkrankung in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt wird:

  • Schwere Hämophilie A: Faktor VIII-Aktivität < 1%
  • Mittelschwere Hämophilie A: Faktor VIII-Aktivität 1-5%
  • Milde Hämophilie A: Faktor VIII-Aktivität 6-40%

Aufgrund der X-chromosomalen Vererbung sind vorwiegend Männer betroffen. Die Prävalenz wird auf ca. 1:6.000 geschätzt. In seltenen Fällen können auch heterozygote Anlageträgerinnen bei Vorliegen einer ungleichen X-Inaktivierung Symptome ausprägen. Ca. 30% der Hämophilie A-Fälle sind durch Neumutationen bedingt. Leichtere Formen sowie ca. 50% der schweren Formen der Erkankung werden durch Punktmutationen im F8-Gen verursacht. Ca. die Hälfte der schweren Hämophilie A-Fälle sind durch Gen-Inversionen in Intron 1 oder Intron 22 bedingt. Die Therapie erfolgt durch intravenöse Substitution mit rekombiniertem Faktor VIII.