Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Alzheimer Erkrankung, Spätform (AD2) [F00.1]

OMIM-Nummer: 104310, 107741 (APOE)

Dr. rer. nat. Christoph Marschall, M. Sc. Kathrin Wittkowski

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Alzheimer Krankheit ist eine progredient verlaufende, neurodegenerative Erkrankung, deren Prävalenz mit zunehmendem Lebensalter steigt, so dass ca. 25% der über 85-Jährigen an dieser Form der Altersdemenz leiden. Für alle Formen der Alzheimer Erkrankung ist eine Beteiligung genetischer Faktoren bekannt. Einer dieser Faktoren ist das Apolipoprotein E (ApoE), welches im Lipidstoffwechsel eine zentrale Rolle spielt.

Zwei Polymorphismen im APOE-Gen führen zu den Aminosäureaustauschen Cys112Arg (rs429358) und Arg158Cys (rs7412), wodurch die drei Isoformen ApoE2, ApoE3 und ApoE4 entstehen (Allelfrequenz: E2: 11%, E3: 72% und E4: 17%). Das APOE4-Allel ist ein Risikofaktor für die Spätform („late-onset“) der Alzheimer Erkrankung, wobei Erkrankungsrisiko und –alter mit der Anzahl der APOE4-Allele korrelieren (Gendosis-Effekt). Heterozygotie für das APOE4-Allel ist mit einem ca. 4-fach, Homozygotie mit einem bis zu 12-fach erhöhten Risiko für die Spätform der Alzheimer Erkrankung assoziiert. Zusätzlich reduziert sich das Durchschnittsalter für den Erkrankungsbeginn um ca. 10 Jahre. Im Gegensatz dazu scheint die Isoform ApoE2 einen protektiven Effekt zu haben, so dass Träger des APOE2-Allels ein geringeres Erkrankungsrisiko aufweisen.

Die APOE-Genotypisierung eignet sich allerdings nicht zur prädiktiven Diagnostik symptomfreier Individuen, sondern ausschließlich zur Differentialdiagnostik und Früherkennung einer Alzheimer Erkrankung.

Literatur

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