Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

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Letzte Änderung: 12.04.2016

Noonan-Syndrom-ähnliche Erkrankung mit losem Anagenhaar [Q87.0]

OMIM-Nummer: 607721, 602775 (SHOC2)

Dr. rer. biol. hum. Soheyla Chahrokh-Zadeh

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Noonan-Syndrom-ähnliche Erkrankung mit losem Anagenhaar (Noonan-like syndrome with loose anagen hair) geht mit einem an das Noonan-Syndrom (s. dort) erinnernden (NS) Phänotyp einher: faziale Dysmorphien, kognitive Defizite, kongenitale Herzfehler u.a. begleitet von charakteristischen ektodermalen Anomalien. Bei dieser Patientengruppe beruht der Minderwuchs auf einem Wachstumshormonmangel. Als Hauptmerkmal fallen leicht ausziehbare, spärliche, dünne und langsam wachsende Haare in der Anagenphase ohne innere und äußere Wurzelscheide auf, vergleichbar mit dem Losen-Anagenhaar-Syndrom. Die meisten Betroffenen haben eine dunkel pigmentierte Haut mit Ekzemen oder einer Ichthyose. Weitere ektodermale Anomalien sind spärliche Augenbrauen und dystrophe oder dünne Nägel.

Bei allen bisher untersuchten Patienten mit Noonan-Syndrom-ähnlicher Erkrankung mit losem Anagenhaar konnte ein einzelner Basenaustausch (c.4A>G) im SHOC2-Gen (soc-2 suppressor of clear homolog (C. elegans)) nachgewiesen werden, der im entsprechenden Protein (leucine-rich repeat protein SHOC-2) zu einem Aminosäureaustausch von Serin durch Glycin an Position 2 führt (p.Ser2Gly). Es handelt sich um eine sog. „gain-of-function”-Mutation.

Das SHOC2-Genprodukt codiert für ein Gerüstprotein, welches den RAS-MAPK-Signaltransduktionsweg positiv moduliert. Normalerweise ist das SHOC2-Protein im Zellkern und Cytoplasma angesiedelt, die aberrante Variante wird fälschlicherweise zur Plasmamembran geleitet.