Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Hereditäre Neuropathie mit Neigung zu Drucklähmungen (Tomakulöse Neuropathie, HNPP) [G60.9]

OMIM-Nummer: 162500, 601097 (PMP22)

Dr. rer. biol. hum. Soheyla Chahrokh-Zadeh

Wissenschaftlicher Hintergrund

Bei der autosomal-dominant vererbten HNPP handelt es sich um eine rezidivierende, motorische und sensorische Neuropathie in einem einzelnen Nerv, mit Beginn im frühen Erwachsenenalter, selten vor dem 20. Lebensjahr. Nach längerer Kompression eines Nerven, z.B. nach längerer knieender Haltung, treten bei den Patienten Attacken von Parästhesien (Kribbeln, Pelzigkeit) im definierten Versorgungsgebiet des betroffenen Nervenastes auf (Mononeuropathie, wie z.B. Karpaltunnelsyndrom, Peroneallähmung mit Fußheberschwäche. In 50% der Fälle bilden sich die Beschwerden nach einigen Tagen vollständig zurück, bei ähnlichen inadäquaten Traumata wiederholen sich die Druckparesen. Das Ausmaß der Beeinträchtigung ist eher mild, eine Einschränkung der Lebenserwartung besteht nicht. Sowohl symptomatische als auch asymptomatische Betroffene zeigen in der elektrophysiologischen Untersuchung eine Verlängerung der distalen Nervenleitungslatenzen. In der Nervenbiopsie sind eine Demyelinisierung und fokale „wurstartige“ Vergrößerungen des Nerven (Tomacula) erkennbar.

Bei 80% der Patienten ist eine 1,5 Mb große Deletion in der Chromosomenregion 17p11.2 nachweisbar, die u.a. das PMP22-Gen einschließt. Diese sog. „HNPP-Deletion“ entsteht in 20% der Fälle de novo. Punktmutationen oder kleinere Deletionen im PMP22-Gen werden bei 20% der Betroffenen gefunden.

Literatur

Rana et al, Int J Neurosci. 122:119 (2012) / Tinant et al, Rev Med Liege 57:651 (2002) / Chance, Ann N Y Acad Sci 883:14 (1999) / American Society of Human Genetics Board of Directors,  Am J Hum Genet 57:1233 (1995) / Chance et al,  Hum Mol Genet. 3:223 (1994) / Mariman et al, Hum Gen 92:87 (1993) /