Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Charcot-Marie-Tooth Neuropathie Typ 1A (CMT1A, Hereditäre motorische und sensorische Neuropathie, HMSN1A ) und X-chromosomal (CMTX1; HMSNX) und CMT1B und CMT1E [G60.0]

OMIM-Nummer: 118220 CMT1A, 601097 (PMP22), 118200 CMT1B, 159440 (MPZ), 302800 CMTX1, 304040 (GJB1), 118300 CMT1E, 601097 (PMP22)

Dr. rer. biol. hum. Soheyla Chahrokh-Zadeh

Wissenschaftlicher Hintergrund

Bei den CMT-Neuropathien handelt es sich um die häufigsten hereditären peripheren Neuropathien mit klinischer und genetischer Heterogenität (Prävalenz ca. 1:3.300). Der Erbgang ist vorwiegend autosomal-dominant, kann aber auch autosomal-rezessiv oder X-chromosomal sein. Das Manifestationsalter betrifft die erste bis dritte Dekade. Betroffene zeigen typischerweise eine langsam progrediente Schwäche und Atrophie der distalen Muskulatur (Arme und Beine), die häufig mit einem milden bis moderaten sensorischen Verlust einhergehen. Zudem sind verminderte Sehnenreflexe und ein Hohlfuß zu beobachten.

Die Klassifikation der CMT-Neuropathien erfolgt durch genetische, elektrophysiologische und neuropathologische Kriterien. Die häufigste Form betrifft die autosomal-dominant vererbte CMT1, die einen Anteil von 40-50% aller CMT-Neuropathien ausmacht und abhängig vom betroffenen Gen und Art der Mutation in mehrere Subtypen unterteilt wird. 70% - 85% aller CMT1 betreffen den Subtyp CMT1A. Die genetische Grundlage ist eine 1,5 MB Tandem-Duplikation auf Chromosom 17p11.2 (CMT1A-Duplikation), welche u.a. das PMP22-Gen einschließt. Bei etwa einem Drittel der Patienten entsteht diese Duplikation de novo.

Bei der CMT1 handelt es sich um eine vorwiegend motorische, primär peripher demyelinisierende Polyneuropathie mit distalen Paresen, besonders der unteren Extremitäten. Die motorische Nervenleitgeschwindigkeit ist stark verringert (<38m/s). Ca. 20% aller Patienten mit einer nicht klassifizierten, chronischen, peripheren Neuropathie haben CMT1A. In einer neueren großen Studie mit deutschen Patienten mit CMT1-Phänotyp wurden folgende prozentuale Anteile eruiert: CMT1A (51%), CMTX1 (9%) und CMT1B (5%).

Literatur

Gess et al, Nervenarzt 84:157 (2013) / Rautenstrauss et al, medgen 21:543-554 (2009) / Juarez et al, Neural Plasticity Article ID 171636, 11 pages (2012)